Gorilla-Trekking im Bwindi-Nationalpark – ein Reisebericht

Der absolute Höhepunkt einer Reise in Uganda – vielleicht sogar besondere Höhepunkte im Leben eines Menschen ist es, diese Tiere zu sehen!

Eine 7 Tage-Reise von Jinja, Kampala, Masaka über Mbarara, Kabale bis Buhoma in den Bwindi- Nationalpark und zurück von Buhoma, über Kihihi, Isahsa, durch den Queen-Elizabeth-Nationalpark bis Kasese, dort 3 Tage pausiert und weiter über Fort Portal, Kampala bis nach Jinja.

Die Reise begann um 6.30Uhr morgens in Jinja. Es empfiehlt sich früh zu starten, da man nur so den Berufsverkehr in Kampala umgehen kann. Da es nur wenige Straßen gibt, besteht keine Möglichkeit, die Hauptstadt auszulassen. Zwar gibt es mittlerweile einen „Bypass“, also eine Umgehung, aber auch die führt rund um die ganze Stadt mit viel Verkehr und mehreren Kreisverkehren. Wir waren gegen 8.30Uhr am Bypass und es lief gut. Außerdem konnten wir zu Zweit fahren, denn die internationalen Führerscheine waren früh genug in Deutschland beantragt worden (zirka 16 Euro).

Von Kampala ging es weiter Richtung Masaka und das ist tatsächlich ausgeschildert. Die größten Schwierigkeiten bereiten fehlende Verkehrsschilder. Da wir allein unterwegs waren und keinen Fahrer oder Ugander dabei hatten, haben wir gefühlte 100x mal nach dem Weg gefragt…

Die Straße war gut und gegen 10.30Uhr erreichten wir den Äquator. Dort können Fotos gemacht werden, es gibt passable Toiletten für 200Schilling und einige nette Souvenirläden. Empfehlenswert ist ein Laden ganz vorn, dort gibt es viele traditionelle Dinge zu erstehen, unter anderem aus einer Holzwurzel geschnitzte Vögel (ab 50 000 Schilling).

In Masaka fährt man in die City und biegt halbrechts ab Richtung Mbarara, die Straße gabelt sich.

Wenn Mbarara erreicht ist, muss im 1.Kreisverkehr die 2.Ausfahrt genommen werden Richtung Kabale.

Nach Mbarara wird die Straße immer schlechter. ABER: Die Landschaft ist ein Traum und das Auto muss einen Pass erklimmen von 1800 Höhenmetern. Die Berge sind steil, Ziegen, Kühe und Kinder laufen plötzlich über die Straße.

Irgendwann wird die Straße einspurig, da sie neu gebaut wird. LKW kommen einem auf der eigenen Spur entgegen, der Untergrund ist Kies und rutschig oder roter Staub verhindert die Sicht.

Wenn die Straße fertig ist, wird das Fahren problemlos werden.

Nach 12 Stunden Fahrt erreichten wir Kabale, kurz vor Einbruch der Dunkelheit.

Das war ein Glück, denn im Dunkeln fahren ist ein No-Go! Sehr gefährlich weil Beleuchtung fehlt, die Straßen tiefe Löcher haben und die Orientierung verloren geht.

Dort suchten wir uns dank dem Reiseführer Lonely-Planet ein kleines Hotel. Die Dusche funktionierte und das Essen war lecker – was will der Mensch mehr nach so einem Tag!

Der nächste Tag verlief anders als gedacht, wie immer in Uganda….

Das Auto sprang nicht an. Sofort kamen Mitarbeiter des Hotels und halfen mit der Batterie aus. Dafür gibt man z.B. 10 000 Schilling als Dank.

Hinter Kabale geht es rechts ab in einen Feldweg. Das ist leider der Weg nach Buhoma zum Bwindi-Nationalpark.

Wir haben für 100 Kilometer den ganzen Tag gebraucht und sind nur im 1. und 2.Gang gefahren!!!! Schrecklich!

Felsen, Sand, nur eine Spur, steile Abhänge – es war eine Qual.

ABER wie wieder einmal entschädigte die Landschaft. Es geht sehr hoch und irgendwann ist nichts mehr von Zivilisation zu sehen. Der Weg führt so hoch, dass die Wolken über den Bergen hängen, überall sind kleine Hütten zu sehen und bis hinauf zu den Steilhängen sind kleine Felder mit Matoke oder Mais zu sehen. Es ist beeindruckend wie die Menschen dort oben überleben, wie weit weg sie von Städten und einfach allem sind.

In diesen Höhenlagen wie Kabale oder Buhoma ist es sehr nötig, sich warme Kleidung mitzunehmen. Es ist morgens und abends kalt. Wir haben nachts mit Schal und allem, was wir hatten, geschlafen…

Ebenso braucht man zum Trekking Wanderstiefel, Regenjacke und Shirt mit langen Ärmeln wegen den Moskitos. Die Hose sollte unten zu schließen sein, denn die großen Waldameisen sind sehr aggressiv und klettern bis unter die Achseln – sie beißen sehr schmerzhaft!

Wieder kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir Buhoma. Dort haben wir im „Buhoma Community Forest Camp“ übernachtet. Das ist das günstigste an Möglichkeiten, kostet aber auch 100 Dollar pro Nacht. Es sind überdachte Zelte mit Bad im Hintergrund, was durch den Hintereingang des Zelts zu betreten ist. Das Essen ist fantastisch, für das Trekking kann man sich Stöcke ausleihen und es gibt Lunch-Pakete.

Übrigens sind die Wanderstöcke absolut wichtig!

Noch nie habe ich in Uganda so nettes hilfsbereites Personal erlebt wie im Buhoma-Camp.

Nachdem wir dort ankamen, war der folgende Tag zum Ausruhen vorgesehen. Das war eine gute Entscheidung, da dass Trekking extrem anstrengend ist.

Wir suchten uns in Buhoma einen Guide, der uns herumgeführt hat, etwas über Vögel wusste und wir so einen Einblick von diesem Landesteil bekamen.

Auffällig waren sehr kleine Menschen und wir erfuhren, das sind Pygmäen. Sie wurden zwangsumgesiedelt und müssen nun wie „normale“ Menschen leben.

Das Volk der Batwas lebte im Dschungel mit den Gorillas. Das ist nun vorbei und damit gehen jegliche Traditionen verloren. Sie müssen das gleiche Essen essen, fertigen Handwerke für Touristen an, tragen Kleidung wie andere Ugander.

Es gibt ein Trainingscenter und die nette junge Frau erklärte mir ganz stolz, dass die Batwas ja jetzt wie Menschen wären….

Als zum zweiten Mal die Sonne aufging über dem Dschungel, war der Eindruck noch berauschender. Große, alte Bäume ragen viele Meter hoch in den Himmel, Vögel zwitschern, Affen huschen umher und suchen nach Früchten, ein Fluss rauscht durch das Tal – fast ein bisschen unwirklich das Ganze. So ist es also im Dschungel!

Gegen 7.30Uhr gingen wir zum Treffpunkt um in unsere Gruppe für das Trekking eingeteilt zu werden. Die Gruppen bestehen immer aus 8 Touristen, dazu gibt es einen leitenden Guide und viele andere Guides und Helfer, die Pusher und Puller!

Das sind die netten Menschen, die den Touristen bergauf, bergab helfen, das heißt sie schieben entweder von hinten oder ziehen von vorne. Mit in der Gruppe war ein älteres Ehepaar, das diese Hilfe sehr dankbar in Anspruch genommen hat. Alle andren hatten Wanderstöcke, ohne die wirklich kein Fortkommen ist.

Wir mussten eine Stunde mit einem Auto fahren und dann 4 Stunden wandern. Es begann recht harmlos, doch sobald der dichte Urwald erreicht war, wurde klar, was Dschungel überhaupt bedeutet. Es gibt keine Wege, es ist alles grün, komplett zugewuchert, Lianen schlingen sich um die Füße, es ist entweder sehr steil oder ein Fluss muss durchquert werden.

Die Guides gingen vorweg und schlugen tatsächlich mit einem Messer den Weg frei.

Es war schier endlos und ich war am Ende meiner Kräfte…

Zur Zeit ist es sehr trocken (Juni/Juli) und die Gorillas müssen weite Strecken zurücklegen um sich ernähren zu können. Sie fressen den ganzen Tag unentwegt Grünzeug und wenn sie ihre Nester, die am Boden bereitet werden, verlassen, setzen sie Kot ab. Damit verhindern sie, dass Nachfolger ihre Nester nutzen. Aber es stinkt fürchterlich und der Kot ist grün.

Mit ihnen wandern die Guides tagein, tagaus und lassen sie nicht aus den Augen. Sie werden geschützt vor Wilderern und vor dem grenzübergreifenden Krieg im Kongo.

Untereinander sind die Guides über Funk verbunden und so können sie der nahenden Gruppe sagen, wo sie sind. Diese Guides werden dann wiederum abgelöst von den kommenden Guides usw.

Wir hatten also das Pech der Trockenperiode und mussten sehr weit wandern.

Nach 4 Stunden fanden wir sie! Es ist unbeschreiblich, nicht in Worte zu fassen!

Die Angaben waren so, dass 7 Meter Abstand gehalten werden sollte. Aber wir waren ihnen so nah, hätten sie liegend in ihrem Nest die Hände ausgestreckt und ich auch…..

ABER anfassen verboten, da wir ihnen unsere Krankheiten übertragen und sie daran sterben würden. Falls ein Tourist krank wird, ist es nicht möglich am Trekking teilzunehmen.

BABY-BOY: Ein kleiner eineinhalb Jahre alter Gorilla-Junge turnte direkt vor uns herum und schlug sich wie ein kleiner Macho mehrmals auf die Brust. Ist denn das zu glauben?

Er kletterte vor uns auf den Zweigen und beobachtete uns ganz genau. Zwischendurch musste er uns immer mal seine Kraft zeigen, Männlichkeit oder was auch immer. Sicher hat er das beim großen 180 kg schweren Silberrücken, seinem Vater, abgeschaut.

Es ist erstaunlich wie ähnlich sie uns sind, wie sie ihre Hände und Finger bewegen, wenn sie uns anschauen…

Die Familie bestand aus 17 Mitgliedern, es gab junge Männer, Tanten, kleine Mädchen und Jungen, alle waren mit Nahrungsaufnahme beschäftigt in hoher Geschwindigkeit, nur die Kleinen spielten lieber und starrten diese seltsamen Besucher mit den Knipskisten in der Hand an.

Nach einer Stunde und tausenden von Fotos hieß es Abschied nehmen. Der Rückweg betrug wieder Stunden, zwar waren es NUR 3, aber die hatten es mit erneuter Flussüberquerung in sich. Vor Einbruch der Dunkelheit waren wir zurück und dass das Trekking den ganzen Tag dauert, hätten wir nicht gedacht.

Da es so ein einzigartiges Abenteuer ist, kann der Abenteurer es auf jeden Fall auf sich nehmen (sofern er 500 Doller übrige hat)!

Der nächste Morgen bestand daraus, sich zum Frühstück zu schleppen und den Muskelkater zu überwinden…

Unsere Fahrt ging heimwärts über den Queen-Elizabeth-Nationalpark. Wir fuhren von Buhoma über Kihihi und erreichten den Park in Isasha, dann gings nach Norden. Da eine öffentliche Straße durch den Park führt, braucht man keinen Eintritt zahlen, hat aber den Park vom Süden her ganz durchfahren, es gibt wenig Verkehr und Elefantenherden, Büffel, viele Schmetterlinge und die Savannenlandschaft zu bewundern.

Gegen Abend erreichten wir Kasese und checkten dort in das Rwenzori-Garden-Hotel ein.

Dort blieben wir 3 Tage, erlebten ein Erdbeben und tatsächlich mal einen Regenschauer.

Kasese selbst ist keine besondere Stadt, aber das Rwenzori-Gebirge schlängelt sich im Hintergrund am Horizont entlang.

Wir fuhren einen Tag von Kasese aus ins Gebirge und wanderten etliche Stunden bis wir den berühmten Nebelwald sehen konnten. Wer sich das als Ziel vornimmt, muss es mit Führern durchführen. Es nicht möglich, das allein zu unternehmen aus Sicherheitsgründen und Ortsunkenntnis.

Kasese ist außerdem das Tor zum Queen-Elizabeth-Nationalpark und während man tagsüber den Park besucht, kann man abends in sein Zimmer in Kasese zurückkehren.

Der Rückweg ging über Fort Portal, eine sehr nette Stadt mit vielen Teeplantagen und schönen Bäumen am Straßenrand.

Die Strecke bis Kampala ist gut zu fahren und das Auge bekommt viel zu sehen. Die Landschaft ist teilweise mit kugeligen Felsen aus der Eiszeit übersäht, es geht in sanften Hügeln bergauf und bergab. Erst wenn Kampala näher kommt, wird der Verkehr mehr, dass heißt dann wieder erhöhte Aufmerksamkeit auf den Verkehr!

Wir erreichten Jinja vor der Dunkelheit und haben ebenfalls für den Rückweg einen ganzen Tag gebraucht.

Wenn Reisen geplant werden, ob mit oder ohne Fahrer muss daran gedacht werden, dass für das Fahren viel Zeit draufgeht.

Es war eine unvergessliche Rundreise durch diesen Teil Ugandas!

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