Archiv für Mai 2018

Die Menschen in Uganda haben oft .nicht viel, aber sie geben gerne. Und herrliches Obst und Gemüse haben auch viele ärmere Menschen auf ihrem Grundstück. Wenn man Abreisetag gekommen ist, geben sich meine ugandischen Freunde den ganzen Tag bei mir die Klinke in die Hand und bringen körbeweise Mangos, Ananas und Avocados. Natürlich haben die keine Ahnung von Gepäckbeschränkungen im Flugzeug und von den Abfertigungsprozeduren. Wenn ich Glück habe, kommen einige schon am Nachmittag, so dass ich die Geschenke sorgfältig in meinen Koffern verstauen kann. Aber es kann auch sein, dass Freunde ca. ½ Stunde vor meiner nächtlichen Abfahrt mit 3 Kilo noch warmen, gerösteten Nüssen, 4 großen Beuteln dampfenden Sesambällchen und einigen Flaschen Erdnuss-Sauce auf meiner Veranda stehen. Dann muss ich mich natürlich überschwänglich bedanken und einen Weg finden, einen Teil der Sachen unbemerkt zu meinem Koch Stevie in die Küche zu befördern. Das Skurrilste, was ich gelegentlich einpacken muss, sind geröstete Heuschrecken! Allerdings nicht für mich, sondern für eine Freundin, die aus Uganda stammt und sich immer wahnsinnig auf diese seltene Delikatesse freut.

Kleiderspenden für Dritte Welt Länder sind zwar nicht ganz unumstritten, aber sie sind nun mal da und bieten auch vielen Menschen in Uganda die Möglichkeit durch Handel ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Deshalb, und weil es auch viele erstaunlich gute und modische Klamotten sind, die auf dem afrikanischen Kontinent ankommen, sollte sich jeder mal den Spaß machen, auf den Second Hand Markt zu gehen. Wie in der beliebten TV Sendung Shopping Queen sollte man aber unbedingt eine Shopping Begleitung mitnehmen, denn es gibt hier weder Umkleidekabinen noch Spiegel. Man zieht die Kleider also einfach über die zum Glück ja fast immer dünnen Klamotten, die man grade trägt. Die Shopping Begleitung kann dann schon Mal durch „Daumen hoch“ oder „Daumen runter“ eine Tendenz anzeigen und dann ein Smartphone Foto schießen, auf dem man sich selbst beurteilen kann. Und übrigens: Vorsicht beim Wühlen in den Kleiderbergen! Es kann schon mal sein, dass sich darin fast unsichtbar eine schlafende oder stillende Frau befindet, was dann zum Erschrecken auf beiden Seiten führt!

Mit 76.000 Einwohnern ist Jinga zwar Ugandas viertgrößte Stadt, aber insgesamt doch sehr beschaulich und die dreckigen Straßen, maroden Gehwege und den Geschäften, auf denen Geier sitzen und auf Fleischabfälle aus der Metzgerei warten doch sehr weit weg von dem Standard, den wir gewohnt sind. Umso erstaunlicher, dass es in Jinga ein lebhaftes – übrigens nicht-touristisches – Nachtleben gibt; mit Clubs am Nil, Live Musik und auch angesagten DJs. Und wie es sich nach einem „anständigen“ Clubabend gehört, muss natürlich auf dem Heimweg noch der Hunger gestillt werden. Und selbst das ist um 3:00 Uhr nachts noch in Jinga möglich. Da bekommt man zu der Zeit noch an einer kleinen Bretterbude Rolex, was man quasi als den ugandischen Burger oder Döner bezeichnen könnte.

Uganda ist ja in vieler Hinsicht „rückständig“. Selbst Menschen, die schon ein Häuschen haben, haben oft noch kein innenliegendes WC mit Spülung, Wäsche wird noch mit der Hand in großen Kübeln gewaschen und auch in städtischer Umgebung wird oft noch in der Hocke auf kleinen Holzkohle Öfchen gekocht. Aber wenn es um das Smartphone geht, sind zumindest die Leute in städtischer Umgebung dabei; natürlich mit alten, gebrauchten und nicht immer ganz intakten Modellen (falls jemand noch sowas zu Hause in der Schublade hat, nehme ich das gerne mit). Diesen Beitrag weiterlesen »